Jill Fisher..
                            .. goes Country


Kölner Stadtanzeiger

Donnerstag, 28. August 2008

Open-Air-Festival

Satter Beat und sanfte Töne

Die Winterscheider Musikszene holte einen Hauch von Woodstock auf die Dorfwiese hinterm Feuerwehrhaus. Beim Winterscheider-Open-Air-Musikfestival kämpften die Bands mit heißen Rhythmen gegen kalte Regengüsse an.

Ruppichteroth

Wer Klemens Siebert und Karl-Heinz Firnbach auf der Straße begegnet, der wird wahrscheinlich nicht automatisch an laute handgemachte Musik denken. Aber genau die ist seit Jahrzehnten die Leidenschaft der beiden Winterscheider, die sie nun in ihr erstes „Winterscheider Open-Air-Musikfestival" münden ließen. Austragungsort: die Wiese hinterm Feuerwehrhaus. Fuchs und Hase mussten sich an zwei Abenden ruhigere Fleckchen im Sprengel such, um sich gute Nacht zu wünschen.

Dass es in der ersten „Rocknacht" teilweise wie aus Eimern schüttete, trübte nicht das Vergnügen von rund 150 Unentwegten, sich am Sound von „Bad Gentlemen", „Clownpunch" und dem Wintersteiner Urgestein „Low Budget" zu ergötzten. Letztere haben sich in drei Jahrzehnten mit ihren eigenen Songs, die Gitarrist Alois Fischer seit jeher schreibt, einen mikrokosmischen Kultstatus erspielt.

Der zweite Open-Air-Tag stand unter dem Motto „Country & More". Hier schlug dann die große Stunde von Festival-Initiator Firnbach und Organisator Siebert, die ihren Auftritt mit dem Country-Septett „Southern Wheels" hatten. Da horchten wahrscheinlich die Kühe in der Umgebung auf und hielten am Horizont Ausschau nach den herangaloppierenden Cowboys. Vor der Bühne verbreiteten Line-Dance-Gruppen Saloonatmosphäre, Deutschlands jüngste Countrysängerin „Jill" sang in zwei Set`s einige traditionelle und New Country Lieder. Mit Ihrer Stimme konnte sie das Publikum in Ihren Bann ziehen. Zweiter Höhepunkt dieses Tages: die Jam-Session der „Allstar Band", die sich an Klassikern der Rock- und Popgeschichte abarbeitete.

Der dritte Festivaltag startete mit eher ruhigen Klängen, die das Jugendorchester und die örtliche Musikschule verbreiteten. Am Nachmittag spielte dann das Sextett „Querbeat" gegen eventuell aufkommende Sonntagsträgheit mit einem tiefen Griff in die Hitkiste der Sechziger bis Achtziger an. Dazwischen die Ansage: Nebenan sind die Waffeln und der Kaffee fertig. Würstchen sind auch noch da.

Siebert und Firnbach wirken da ein bisschen mitgenommen, aber rundum glücklich. Einen Traum hätten sie sich erfüllt, schwärmen sie und loten den Erfolg ihres Festivals nicht auf der kommerziellen Seite aus. „Die Bands haben hier quasi umsonst gespielt", sagen sie, „auf den Spaß ist es uns angekommen." Und den scheinen alle gehabt zu haben, wie die innige Verabschiedung der Kollegen zeigt, die sich buchstäblich vom Acker machen. „Im nächsten Jahr", ist sich Siebert sicher, „wiederholen wir das. Und dann wird alles noch besser!"